Das Kurpfälzer-Ventil

Neues Umschaltventil für B/Es-Parforcehörner

Auf Anregungen von Prof. Hermann Neuhaus und Reinhold Stief wurden im Jahre 1962 von der Firma Wenzel Meinl in Geretsried die ersten umschaltbaren Parforce-Jagdhörner in Tonart B-Dur und Es-Dur auf den Markt gebracht. Durch dieses umschaltbare Horn wurde ermöglicht, Jagdsignale, Märsche und Fanfaren zusammen mit den Plesshörnern in Tonart B-Dur zu blasen sowie konzertante Parforce-Musik in Tonart Es-Dur darzubieten. Es dient somit als Bindeglied zwischen den beiden so verschiedenen Jagdmusikarten. Die Ansprüche an das Können der Bläser und an die Qualität der Instrumente sind im Laufe dieser drei Jahrzehnte gewaltig gestiegen. Das Anspruchsniveau im Es-Horn-Blasen hat durch die unermüdliche Arbeit vieler Chorleiter und Bläser einen hohen Stand erreicht.

Bild 1In der Mensurierung, den Blechstärken und in der Verarbeitung wurden die Instrumente im Rahmen des Möglichen optimiert. Nur das bis heute von allen Herstellern verwendete Umschalt-Drehventil (s. Bild 1) mit seinen strömungstechnischen Nachteilen, blieb uns erhalten. In der Stellung Es-Dur hat dieses Ventil zwei Strömungsumlenkungen von jeweils 180°, die das Ansprechverhalten und den Naturhorncharakter negativ beeinflussen. Diese Nachteile werden besonders. von „französisch“ beeinflussten Bläsern sowie von Bläsern aus der Reiterszene bemängelt (siehe hierzu Prof. Bartels in Zeitschrift Wild und Hund 22/92, Seiten 104 u. 105).

Ventil_Bild_02

Norbert Breusch hat ein neuartiges Umschaltventil entwickelt. Hierbei kam ihm die fast 30 jährige Konstruktionserfahrung in der Entwicklung von hydraulischen Ventilen zugute. Das Ventil weist in der Schaltstellung „Es“ gerade, drosselfreie Durchgänge auf  (s. Bild 2). Durch dieses Ventil werden die oben aufgeführten Nachteile ausgeräumt und der Bedienungskomfort entscheidend verbessert

Kurpfälzer-VentilDas Ventil ist als sogenanntes Perinett-Ventil (Pumpventil) ausgebildet und benötigt nur einen Schaltweg von 14,5 mm. Das geringe Gewicht von 130 g wurde durch einen Ventilkolben aus hochwertigem Kunststoff erreicht. Dieser neue Kunststoff, der speziell für die Raumfahrt entwickelt wurde, hat so gut wie keine Wasseraufnahme und eine sehr geringe Wärmedehnung. Dadurch bleiben bei den üblichen Gebrauchsbedingungen die Abmessungen des Kolbens nahezu konstant, was für eine störungsfreie Funktion wichtig ist.

Bedingt durch den geraden Durchgang ändert sich bei Verwendung dieses Ventils die Rohrführung gegenüber Hörnern früherer Bauart. In neue Umschalthörner lässt sich die in Funktion und Design gelungene Konstruktion einfach einbauen, da das Ventil mit Löt-Steckanschlüssen ausgestattet ist (s. Bild 2 und 3). Eine Erweiterung der Funktionen, z.B. Arretieren des Ventils in Tonart B-Dur beim Blasen in gemischten B-Gruppen, ist konstruktiv möglich.

Unter dem Motto „vom Bläser für den Bläser“ möchte der Erfinder und Entwickler einen Beitrag für den Erhalt und die Zukunft der Es-Horn-Bewegung mit dieser Verbesserung des umschaltbaren Horns leisten. In dankbarer Erinnerung an seinen Freund und Lehrmeister Reinhold Stief hat er seine Entwicklung „Kurpfälzer-Ventil“ genannt.

Es bleibt noch anzumerken, dass es nicht im Sinne des Erfinders ist, beim Es-Hornblasen viele Töne zu schalten und in Tonart B zu blasen. Die „B“-Töne mit ihrem stumpfen Klang nehmen der Es-Horn-Musik ihren strahlenden Glanz. Nur die in der Literatur von Reinhold Stief gekennzeichneten Noten sollten geschaltet bzw. gestopft werden.

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